Kongress für Outdoor und Adventure

Der Kongress für Outdoor und Adventure ist eine internationale Kongressreihe, die 2018 zum sechsten Mal am Adventure Campus stattfindet.

Kongressbericht

Outdoorsport und Naturschutz schließen sich nicht aus

Unter dem Motto Outdoor – Mensch – Natur hatte Prof. Dr. Manuel Sand Experten und Gäste aus ganz Deutschland und darüber hinaus an den Treuchtlinger Adventure Campus der Hochschule für angewandtes Management geladen. Diese kamen mit rund 70 Teilnehmern sehr zahlreich, darunter auch sehr renommierte Referenten wie Prof. Dr. Roth von der Sporthochschule in Köln oder Prof. Dr. Kurt Luger von der Universität Salzburg.

Outdoorsport und Naturschutz sind durchaus kombinierbar, dies zeigte Prof. Roth direkt im Eröffnungsvortrag auf. Die Natur ist ein bedeutender Bestandteil aller Outdoorsportarten und wird von den Sportlern geschätzt. Bewegungsangebote im Freien werden immer populärer und regen Menschen wieder zu mehr Aktivität an. Ein Miteinander in der Natur kann aber nur gelingen, wenn alle Akteure sich gemeinsam an einen Tisch setzen und Verständnis für die Standpunkte der anderen Parteien mitbringen. Dass dieses Miteinander gelingen kann und in Mittelranken vielerorts bereits gelingt, bestätigte Klaus Gabriel der bei der Regierung von Mittelfranken für den Naturschutz zuständig ist. Mittelfranken hat vielfältige Natur, die es zu schützen gilt, doch hier sollten die Outdoorsportler mitgenommen und nicht ausgeschlossen werden. Dafür ist es hilfreich, wenn Sportler sich vernetzen und es Ansprechpartner gibt. Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz zeigte auf, wo und wie sich der Bund Naturschutz in Bayern engagiert und wie sich dort die Zusammenarbeit mit den Sportlern gestaltet. Generell sei man aufgeschlossen, doch es kommt natürlich auf Häufigkeiten und konkrete Gebiete an. Wer die Natur zu schätzen weiß, der hat auch mehr Verständnis für ihren Schutz. Darin waren sich alle einig. So ist eine Aufklärung über richtige Verhaltensweisen und eine Sensibilisierung für schutzbedürftige Arten und Gegenden notwendig und maßgebend für einen schonenden Umgang. Speziell zu Schonzeiten, im Winter und nachts ist die Natur besonders sensibel, was viele heutzutage nicht mehr wissen. Auch Plastikmüll ist ein großes Problem, der vereinzelt auch von Sportlern zurückgelassen wird. Prof. Dr. Kurt Luger zeigte, wie es um die Verschmutzung der Berge in den Alpen, aber auch im Himalaya, steht. Dort engagiert er sich mit EcoHimal für die Entsorgung des Mülls und eine nachhaltige Entwicklung der Region. Am Abend des ersten Tages wurde in einem Filmvortrag eindrucksvoll gezeigt wie schlecht es um die Wasserqualität der Donau bestellt ist, auf der Plastikmüll ins Meer hinaus treibt. Pascal Rösler zeigte im Treuchtlinger Kino seine 2.467km lange Reise von München ans Schwarze Meer auf dem SUP anhand einmaliger Bilder aus dem vergangenen Sommer. Anschließend stand der Gründer des Vereins Pure Water for Generations Rede und Antwort und erläuterte, wie er sich dafür einsetzt, dass das Wasser der Donau wieder trinkbar wird. Prof. Sand überreichte dem Aktivisten 246,70€ aus den Kongressbeiträgen als Unterstützung für seine Bemühungen.

Dass es kaum noch Wildnis bei uns gibt, zeigte Dr. Felix Wölfle eindrucksvoll anhand einer Befragung in Düsseldorf. Die Stadtbewohner taten sich schwer, Wildnis und urbane Natur zu unterscheiden. Die Natur bei uns ist stark von Menschenhand geprägt und bei weitem nicht mehr unberührt, eine sogenannte Kulturlandschaft. Natur ist dabei auch nicht immer grün und positiv. Dies zeigten Dr. Jamie McPhie und Nigel Dykes in ihrem unterhaltsamen und informativen Performance-Vortrag auf. Denn auch wilde Tiere, Erdbeben und Bakterien sind Natur, doch um deren Schutz kümmern wir uns nicht. Alles um uns ist letzten Endes Natur, auch wenn es von Menschenhand gemacht ist, damit regten die beiden Engländer von der University of Cumbria die Teilnehmer zum Nachdenken an. Ein Aufenthalt in der Natur (nach unserem Verständnis) hat auch positive Auswirkungen auf den Menschen. Das bestätigte Dr. Carola May von der Fachhochschule Westküste, die sich mit der Leiblichkeit des Menschen im Raum Natur beschäftigt. Durch das Spüren des eigenen Körpers und das Bewusstwerden der eigenen Grenzen ergeben sich positive Erfahrungen und Erlebniswerte. Dies passiert auch bei sogenannten Microadventures, die der Brite Alastair Humphreys propagiert, wie Prof. Dr. Sand erläuterte. Es geht darum, kurze Abenteuer vor der Haustür zu erleben die in den stressigen Alltag passen und einem Entspannung und Erholung bringen. Nach der Arbeit geht’s auf einen Berg, übernachtet wird unter dem Sternenhimmel und gewaschen im Fluss, anschließend geht’s zurück ins Büro.

In interaktiven Workshops diskutierten die Teilnehmer über Sport und Natur, über die Kommunikation zwischen Sportlern, darüber wie frühzeitig eine Bindung zur Natur hergestellt werden kann, wie Naturpädagogik gelingt oder wie nachhaltige Outdoorreisen organisiert werden können. Bei einer Naturwanderung oder einer Mountainbike-Tour konnten die Teilnehmer die Natur genießen und ungezwungen ins Gespräch kommen.

 

Im Rahmen des Kongresses initiierte? Prof. Dr. Manuel Sand auch eine Austauschplattform zum Thema Nachhaltiger Tourismus, ein derzeit vieldiskutiertes Thema in der Region Altmühlfranken. Dr. Sabine Hennig von der Universität Salzburg zeigte, wie durch Besucherstromlenkung Entlastung geschaffen und so die Natur geschützt werden kann. Dietrich Schumann von der Bundesvereinigung Kanu stellte Möglichkeiten der Qualifizierung dar, die ebenfalls zum Umwelt?Bewusstsein der Betriebe beitragen soll. Vom Naturschutz werden derzeit hohe Ansprüche gestellt, doch der Kanutourismus ist ein bedeutender Wirtschaftszweig unserer Region. Die Kajakvermieter haben bereits einiges unternommen und sich in der Arbeitsgruppe AKQUA eigene Standards auferlegt. Damit das im Kongress dargestellte Miteinander gelingen kann, bietet Prof. Sand allen Beteiligten eine neutrale Plattform an. „ Wir als Hochschule haben ein großes Interesse an einer einvernehmlichen Lösung, die Naturschutz, Tourismus und Kajakbetriebe gleichermaßen zufriedenstellt“, so Sand.

 

Alles in allem war der 6. Kongress für Outdoor und Adventure eine gelungene und abwechslungsreiche Veranstaltung, die auf großes Interesse stieß. Naturschutz und Sport sind durchaus unter einen Hut zu bringen, jedoch bedarf es eines sensiblen und offenen Miteinanders aller Beteiligten.

Das Programm 2018

Moderation:   Prof. Dr. Manuel Sand

Schirmherrin:    Staatsministerin Ulrike Scharf, Bayerische Umweltministerin

Dienstag 20.2.2018

10:30 – 10:45 Uhr Eröffnung
Prof. Dr. Dr. Claudius Schikora, Präsident der HAM
Grußwort Schirmherrin Staatsministerin Ulrike Scharf
10:45 – 11:45 Uhr Naturschutz und Outdoorsport. Geht das überhaupt?
Prof. Dr. Ralf Roth, Institut für Natursport und Ökologie, Deutsche Sporthochschule Köln
11:45 – 12:15 Uhr Outdoorsport und Natur in Franken aus Sicht der Naturschutzbehörden
Klaus Gabriel, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Regierung von Mittelfranken
12:15 – 13:45 Uhr Mittagspause
13:45 – 14:30 Uhr Mensch und Natur – Natur und Mensch
Dr. Carola May, Fachochschule Westküste
14:30 – 15:30 Uhr Sie haben die Wahl: Drei Workshops mit aktuellen Fallstudien

Workshop 1: Eine Trekkingreise hinterlässt Spuren – der Spagat eines nachhaltigen Reiseveranstalters zwischen Mensch und Natur
Angela Römer, Hauser Exkursionen
Workshop 2: Natursport.Umwelt.Bewusst: Perspektiven – Erreichbarkeit – Kommunikation
Jan Fillisch, Projektreferent Natursport.Umwelt.Bewusst, Deutscher Wanderverband
Workshop 3: Natur verbindet! Wie wir von klein auf durch Outdooraktivitäten zurück zur Natur finden
Astrid Paschkowski, Referentin Bildung WWF Deutschland

15:30 – 16:00 Uhr Kaffeepause
16:00 – 16:45 Uhr Outdoorsport und Natur aus Sicht des BUND
Martin Geilhufe, BUND Naturschutz in Bayern e.V.
16:45 – 17:30 Uhr Microadventures – Nachhaltige Abenteuer vor der Haustüre
Tom van de Weyer, Boardnerds Nürnberg
18:00 – 20:00 Uhr Kongress-Dinner
Ab 20:00 Uhr Filmvortrag „2.467 Flusskilometer – Eine Reise mit dem SUP von München bis ins Schwarze Meer – Nur fürs Wasser“
Pascal Rösler, Pure Water for Generations e.V.

Mittwoch 21.2.2018

09:00 – 10:30 Uhr The Cave, the Wasp and the Lamppost – Ein interaktiver philosophischer Blick auf die Natur und das Abenteuer
Dr. Jamie Mc Phie and Nigel Dykes, Cumbria University
10:30 – 11:30 Uhr Sie haben die Wahl: Drei Workshops mit aktuellen Fallstudien
Workshop 1: Erlebnisse in der Natur aktiv gestalten
Georg Lindl, Lindl’s erlebte Natur
Workshop 2: Mountainbiken und Natur
Tilman Sobek & Norman Bielig, Mountainbike Tourismus Forum
Workshop 3: Naturschonender Kanutourismus durch Besucherstromlenkung
Dr. Sabine Hennig, Interfakultärer Fachbereich für Geoinformatik, Universität Salzburg
11:30 – 13:00 Uhr Aktiv-Workshops
• Geführte MTB Tour in der Region
• Erlebnis- und Naturpädagogik praktisch erleben
• Naturwanderung rund um TreuchtlingenParallel: Diskussionsforum Nachhaltiger Kanutourismus auf der Altmühl Spannungsfeld Kajak- Tourismus – Natur
Moderation Christoph Martin, Geschäftsführer Yezzt! und Arbeitsgemeinschaft Kanuqualität Altmühlmit Vortrag: Möglichkeiten zur betrieblichen Zertifizierung von Kanuanbietern, Dietrich Schumacher, Referent Lizenzierungsverfahren der Bundesvereinigung Kanu
13:00 – 11:15 Uhr Mittagspause
14:15 – 14:45 Uhr Das Wildnisempfinden – wie nehmen Großstadtmenschen die Natur wahr?
Dr. Felix Wölfle, Professor für Tourismuswirtschaft IUBH Duales Studium
14:45 – 15:45 Uhr Müll in den Bergen – Problemstellung und Lösungsansätze
Prof. Dr. Kurt Luger, Fachbereich Kommunikationswissenschaft Universität Salzburg und Vorsitzender EcoHimal
15:45– 16:00 Uhr Zusammenfassung des Kongresses und Verabschiedung
Prof. Dr. Manuel Sand, HAM

Danke an die Kongresspartner für ihre Unterstützung

Archiv der früheren Veranstaltungen