Mountainbiken hat großes touristisches Potential in Altmühlfranken
Am Adventure Campus fand der 5. Kongress für Outdoor und Adventure unter dem Motto Mountainbike und Tourismus statt.

Mountainbiken ist ein aktuelles Thema, das jedoch nicht immer unumstritten ist. Prof. Dr. Manuel Sand hatte daher Experten aus Deutschland und Europa nach Treuchtlingen eingeladen, um den Austausch und die Transparenz in diesem Thema zu fördern. Vertreter aus Politik, Tourismus und der Mountainbike Szene tauschten sich dazu bei dem zweitägigen Kongress der Hochschule für angewandtes Management aus und beleuchteten speziell das touristische Potential der Trendsportart. Der große Zuspruch von 70 Teilnehmern stimmte Prof. Dr. Sand optimistisch: „Es zeigt, dass es ein großes Interesse an dem Thema gibt und wir freuen uns eine Bühne für den gemeinsamen Austausch bieten zu können.“ In seinem Grußwort stellte Schirmherr Landrat Gerhard Wägemann heraus, dass es in Altmühlfranken Bestrebungen gibt ein Streckennetz zu errichten und hierfür aktuell ein Antrag auf Leaderförderung vorliegt. Dass ein solches Streckennetz in Deutschland nicht nur einzigartig wäre sondern auch einen enormen touristischen Wert mit sich bringt unterstrichen die geladenen Experten. Dr. Steve Taylor von der West Highland University in Schottland zeigte wie man durch ein breites Netzwerk von über 60, größtenteils EU finanzierte, Trail-Center Touristenströme in ländliche Regionen locken konnte. So werden in Schottland jährlich rund 60 Millionen € durch Mountainbike-Tourismus umgesetzt, Geld das direkt in den strukturschwachen Regionen ausgegeben wird. Denkt man hierzulande bei Mountainbiken noch an junge Männer die sich waghalsig Abgründe herunterstützen und an Sprüngen versuchen, so werden die Strecken in Schottland längst für Familienausflüge genutzt. Essentiell sei es eine breite Zielgruppe anzusprechen und Center miteinander zu vernetzten und gegenseitig zu vermarkten, so Taylor. Dass regionale Mountainbiker ihre genutzten Strecken nicht immer teilen wollen ist ein Risiko des Tourismus, doch aktuell sind die meisten genutzten Trails in der Region ohnehin illegal wie der regionale Mountainbike-Kenner Robert Rieger zu berichten wusste. Tilman Sobek vom Mountainbike Tourismusformen unterstrich das enorme touristische Potential, sowohl für Skigebiete aber auch für ländliche Regionen mit entsprechenden Höhenunterschieden. Rund 9,2 Millionen Deutsche habe Interesse an Mountainbike-Urlauben sagt Tilman Sobek. Die Errichtung von Mountainbike Trails generiert nicht nur einen ökonomischen Nutzen für die Region, sondern auch einen ökologischen Nutzen, da sie das Bewusstsein für die Natur fördern (über 80% der Mountainbiker geben den Aufenthalt in der Natur als Hauptmotiv an) und einen sozialen Nutzen durch die Schaffung von gesunden Freizeitangeboten. Neben Umweltpolitischen Bedenken hat der Mountainbike Sport oftmals mit wegerechtlichen Problemen und Konflikten mit Wanderern und Jägern zu kämpfen. Die Deutsche Initiative für Mountainbike ist die Interessensvertretung der Mountainbiker, die hartnäckig die freie Nutzung fordert. Heiko Mittelstädt stellte aktuelle Bestrebungen vor und setzte sich für Open Trails ein. Rechtsanwalt a.D. Hugo Gebhard gilt als absolute Koryphäe im Bereich des Verkehrssicherungspflicht, er konnte in einem Workshop viel konstruktive Aufklärungsarbeit leisten. Wichtig ist hierbei das Miteinander aller Beteiligten, um akzeptable Lösungen für alle zu finden resümierte Sand in seinem Schlusswort, eine einzelne Lösung die allen gerecht wird sieht er dabei aber als unrealistisch an. Darüber hinaus bekamen die Teilnehmer auch viel Input im Hinblick auf die Destinationsvermarktung im Mountainbike Sport unter anderem durch den Marketing Experten Andrej Zigon aus Slowenien.
Wie sehr das Thema in der Region verwurzelt ist zeigte am Abend des ersten Kongresstages der Vortrag Flow von Extremmountainbiker Harald Philipp in der Treuchtlinger Stadthalle, der vom RC Germania rund um den Kongress organisiert wurde. Die über 280 Teilnehmer in der bis zum letzten Platz gefüllten Stadthalle erlebten in tollen Filmen wie Mountainbiken positive Bewusstseinszustände hervorrufen kann. Die wissenschaftliche Tragweite des psychologischen Phänomens „Flow“ hatte zuvor Dr. Simon Sirch den Kongressteilnehmern näher gebracht. Es ist ein Zustand des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, der nicht nur positive Effekte auf das Wohlbefinden hat sondern auch die Intuition schult und die Unfallgefahr minimiert. Dieser Zustand wird vermehrt beim entspannten Fahren einfacherer Strecken, sogenannter Flow-trails erreicht. Es wurde deutlich, dass das entspannte Fahren in der Gruppe bedeutend ist und nicht die Schnelligkeit oder das Risiko im Vordergrund stehen. Mountainbiken wird sich immer mehr zu einer Familiensportart mit niedriger Einstiegshürde entwickeln ist Prof. Dr. Sand überzeugt. Fahrrad fahren kann jeder und ein Fahren in der Natur, das zum Flow-Erlebnis führt sollte von den Destinationen beworben werden. Dabei kann auch das E-Bike eine entscheidende Rolle spielen, um Leistungsdifferenzen auszugleichen. Ein erster Up-Hill Trail soll ein sicheres Bergauffahren ermöglichen, dass auch Anfängern viel Spaß bereitet erläuterte Norman Bielig von der world of mountainbike und unterstrich dabei einmal mehr die Bedeutung einer Zielgruppenerweiterung im Mountainbike Sport.
Der Kongress war in den Augen des Veranstalters ein voller Erfolg: Wir haben uns zwei Tage intensiv miteinander ausgetauscht, den regionalen Tourismusorganisationen viel Input gegeben und eine konstruktive Diskussion auf Augenhöhe ermöglicht. Wie es nun mit einem Strecken-Netz in der Region weitergeht bleibt abzuwarten, den Experten zu Folge könnte es nicht früh genug losgehen.