Kongress für Outdoor und Adventure

Der Kongress für Outdoor und Adventure ist eine internationale Kongressreihe, die 2017 zum fünften mal am Adventure Campus stattfand.

Kongressbericht

Mountainbiken hat großes touristisches Potential

Am Adventure Campus fand der 5. Kongress für Outdoor und Adventure  unter dem Motto Mountainbike und Tourismus statt.

 

Mountainbiken ist ein aktuelles Thema, das jedoch nicht immer unumstritten ist. Prof. Dr. Manuel Sand hatte daher Experten aus Deutschland und Europa nach Treuchtlingen eingeladen, um den Austausch und die Transparenz in diesem Thema zu fördern. Vertreter aus Politik, Tourismus und der Mountainbike Szene tauschten sich dazu bei dem zweitägigen Kongress der Hochschule für angewandtes Management aus und beleuchteten speziell das touristische Potential der Trendsportart. Der große Zuspruch von 70 Teilnehmern stimmte Prof. Dr. Sand optimistisch: „Es zeigt, dass es ein großes Interesse an dem Thema gibt und wir freuen uns eine Bühne für den gemeinsamen Austausch bieten zu können.“ In seinem Grußwort stellte Schirmherr Landrat Gerhard Wägemann heraus, dass es in Altmühlfranken Bestrebungen gibt ein Streckennetz zu errichten und hierfür aktuell ein Antrag auf Leaderförderung vorliegt. Dass ein solches Streckennetz in Deutschland nicht nur einzigartig wäre sondern auch einen enormen touristischen Wert mit sich bringt unterstrichen die geladenen Experten. Dr. Steve Taylor von der West Highland University in Schottland zeigte wie man durch ein breites Netzwerk von über 60, größtenteils EU finanzierte, Trail-Center Touristenströme in ländliche Regionen locken konnte. So werden in Schottland jährlich rund 60 Millionen € durch Mountainbike-Tourismus umgesetzt, Geld das direkt in den strukturschwachen Regionen ausgegeben wird. Denkt man hierzulande bei Mountainbiken noch an junge Männer die sich waghalsig Abgründe herunterstützen und an Sprüngen versuchen, so werden die Strecken in Schottland längst für Familienausflüge genutzt. Essentiell sei es eine breite Zielgruppe anzusprechen und Center miteinander zu vernetzten und gegenseitig zu vermarkten, so Taylor. Dass regionale Mountainbiker ihre genutzten Strecken nicht immer teilen wollen ist ein Risiko des Tourismus, doch aktuell sind die meisten genutzten Trails in der Region ohnehin illegal wie der regionale Mountainbike-Kenner Robert Rieger zu berichten wusste. Tilman Sobek vom Mountainbike Tourismusformen unterstrich das enorme touristische Potential, sowohl für Skigebiete aber auch für ländliche Regionen mit entsprechenden Höhenunterschieden. Rund 9,2 Millionen Deutsche habe Interesse an Mountainbike-Urlauben sagt Tilman Sobek. Die Errichtung von Mountainbike Trails generiert nicht nur einen ökonomischen Nutzen für die Region, sondern auch einen ökologischen Nutzen, da sie das Bewusstsein für die Natur fördern (über 80% der Mountainbiker geben den Aufenthalt in der Natur als Hauptmotiv an) und einen sozialen Nutzen durch die Schaffung von gesunden Freizeitangeboten. Neben Umweltpolitischen Bedenken hat der Mountainbike Sport oftmals mit wegerechtlichen Problemen und Konflikten mit Wanderern und Jägern zu kämpfen. Die Deutsche Initiative für Mountainbike ist die Interessensvertretung der Mountainbiker, die oftmals sehr radikal die freie Nutzung fordert. Heiko Mittelstädt stellte aktuelle Bestrebungen vor und setzte sich für Open Trails ein. Rechtsanwalt a.D. Hugo Gebhard gilt als absolute Koryphäe im Bereich des Verkehrssicherungspflicht, er konnte in einem Workshop viel konstruktive Aufklärungsarbeit leisten. Wichtig ist hierbei das Miteinander aller Beteiligten, um akzeptable Lösungen für alle zu finden resümierte Sand in seinem Schlusswort, eine einzelne Lösung die allen gerecht wird sieht er dabei aber als unrealistisch an. Darüber hinaus bekamen die Teilnehmer auch viel Input im Hinblick auf die Destinationsvermarktung im Mountainbike Sport unter anderem durch den Marketing Experten Andrej Zigon aus Slowenien.

Wie sehr das Thema in der Region verwurzelt ist zeigte am Abend des ersten Kongresstages der Vortrag Flow von Extremmountainbiker Harald Philipp in der Treuchtlinger Stadthalle, der vom RC Germania rund um den Kongress organisiert wurde. Die über 280 Teilnehmer in der bis zum letzten Platz gefüllten Stadthalle erlebten in tollen Filmen wie Mountainbiken positive Bewusstseinszustände hervorrufen kann. Die wissenschaftliche Tragweite des psychologischen Phänomens „Flow“ hatte zuvor Dr. Simon Sirch den Kongressteilnehmern näher gebracht. Es ist ein Zustand des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, der nicht nur positive Effekte auf das Wohlbefinden hat sondern auch die Intuition schult und die Unfallgefahr minimiert. Dieser Zustand wird vermehrt beim entspannten Fahren einfacherer Strecken, sogenannter Flow-trails erreicht. Es wurde deutlich, dass das entspannte Fahren in der Gruppe bedeutend ist und nicht die Schnelligkeit oder das Risiko im Vordergrund stehen. Mountainbiken wird sich immer mehr zu einer Familiensportart mit niedriger Einstiegshürde entwickeln ist Prof. Dr. Sand überzeugt. Fahrrad fahren kann jeder und ein Fahren in der Natur, das zum Flow-Erlebnis führt sollte von den Destinationen beworben werden. Dabei kann auch das E-Bike eine entscheidende Rolle spielen, um Leistungsdifferenzen auszugleichen. Ein erster Up-Hill Trail soll ein sicheres Bergauffahren ermöglichen, dass auch Anfängern viel Spaß bereitet erläuterte Norman Bielig von der world of mountainbike und unterstrich dabei einmal mehr die Bedeutung einer Zielgruppenerweiterung im Mountainbike Sport.

Der Kongress war in den Augen des Veranstalters ein voller Erfolg: Wir haben uns zwei Tage intensiv miteinander ausgetauscht, den regionalen Tourismusorganisationen viel Input gegeben und eine konstruktive Diskussion auf Augenhöhe ermöglicht. Wie es nun mit einem Strecken-Netz in der Region weitergeht bleibt abzuwarten, den Experten zu Folge könnte es nicht früh genug losgehen.

Das Programm 2017

Moderation:   Prof. Dr. Manuel Sand

Schirmherr:    Landrat Gerhard Wägemann

Dienstag 7.2.2017

11:00 – 11:15 Uhr Eröffnung
Prof. Dr. Dr. Claudius Schikora, Präsident der HAM
Schirmherr Gerhard Wägemann
11:15 – 12:15 Uhr Mountain Biking’s Role in Regional Economic Development: The Experience of Scotland
Dr Steve Taylor, University of the Highlands and Islands, Scotland
12:15 – 13:30 Uhr Mittagspause
13:30 – 14:00 Uhr MTB in Altmühlfranken
Robert Rieger, Geschäftsführer Aktionsraum GmbH
14:00 – 14:45 Uhr Mountainbiken: touristische Gipfelerlebnisse für Destinationen
Tilmann Sobek, Mountainbike Tourismusforum
14:45 – 15:30 Uhr Kaffeepause
15:30 – 16:30 Uhr Sie haben die Wahl: Drei Workshops mit aktuellen Fallstudien

Workshop 1: Mountainbiken und Erlebnispädagogik — Handlungsorientiertes Lernen auf zwei Rädern“
Dr. Simon Sirch, flow in concept
Workshop 2: Organisation von Mountainbike Rennen im Verein
David Lischka, RC Germania Weißenburg
Workshop 3: Mountain Biking Destination Branding and Brand Identity
Andrej Zigon, Alliance ASE, Slowenien

16:30 – 17:30 Uhr Die Wissenschaft hinter dem Flow beim Mountain Biken
Dr. Simon Sirch, flow in concept & Jochen Simek Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik Mountainbike
17:30 – 17:45 Uhr Preisverleihung Outdoor und Adventure Preis für hervorragende Abschlussarbeiten aus dem Bereich Outdoorsport und Adventure
18:00 – 19:30 Uhr Kongress-Dinner
Ab 20:00 Uhr Filmvortrag „Flow“ von und mit Extremmountainbiker
Harald Philipp in der Treuchtlinger Stadthalle

Mittwoch 8.2.2017

08:30 – 10:30 Uhr Aktiv-Workshops
– Geführte MTB Touren in der Region (eigenes MTB mitbringen)
– Fahrtechniktraining auf Testbikes am Adventure Campus
– Bouldern in der Boulderhalle des Adventure Campus
11:00 – 11:30 Uhr Open Trails – Aktuelles aus der Arbeit der DIMB
Heiko Mittelstädt, Geschäftsführer DIMB
11:30 – 12:30 Uhr Sie haben die Wahl: Drei Workshops mit aktuellen Fallstudien
Workshop 1: Verkehrssicherungspflicht und andere rechtliche Aspekte beim MTB-Sport
Hugo Gebhard, RD a.D.
Workshop 2: It’s all downhill from here: Examining the trail builder’s art
Dr Steve Taylor, University of the Highlands and Islands, Scotland

Workshop 3: Erfolgsfaktoren für die Firmengründung von „AntsInPants Tours“ und Fatbike Touren in Schwedisch Lappland
Michael Ballas, Gründer AntsInPants Tours12:30 – 13:30 UhrMittagspause13:30 – 15:00 UhrEingereichte Beiträge
Session 1 – Sportwissenschaft, Trails und Tourismus
Fahrtechnik unter der Lupe – Biomechanische Analyse verschiedener Mountainbike Fahrtechniken mittels Motion Capturing
Dr. Hermann Meyer, Bundeslehrteam Mountainbike der DIMB
Wann macht Mountainbiken richtig Spaß? – Die Bedeutung des Gesamtkonzepts für eine erfolgreiche Destinationsentwicklung
Tobias Krause, Inhaber, TrailXperience Bike.Nature.Soul
Der Zusammenhang von Produktgestaltung und Reisemotivation im Mountainbike-Tourismus.
Tanja Brunnhuber, Inhaberin destination to market
15:00 – 15:45 UhrE-Bikes – Chancen oder Risiken für den MTB Tourismus?
Norman Bielig, Chefredakteur world of mtb Magazin15:45 – 16:00 UhrZusammenfassung des Kongresses und Verabschiedung
Prof. Dr. Manuel Sand, HAM

Danke an die Kongresspartner für ihre Unterstützung

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Archiv der früheren Veranstaltungen

  • Kongress 2015: Abenteuer, Erlebnis und Bildung

  • Kongress 2014: Adventuremanagement im ländlichen Raum

  • Kongress 2013: Nachhaltigkeit und Innovation

  • Kongress 2012: Trends und Perspektiven